Mittwoch, 24. Oktober 2007

Die 4 Euro Geschichte

Die folgende Geschichte schrieb ich für den Mindeslohn von 4 Euro. Trotzdem Geht mein Dankschön an Steffi und Freundin, die mich und mein Team mit Ihrer finanziellen Beteiligung dabei unterstützten die Berlin Ralley würdevoll zubenden.


Das Wetter über Berlin

Ein kühler Wind zieht an mir vorbei als ich die Uhlandstrasse hinunter laufe. Ich laufe also und suche jemanden der meine Seele rettet. Es regnet in mir drin, es stürmt und schneit, es ist ziemlich kalt und ich suche in meiner Nacht nach einer kleinen Sonne. Seit einigen Wochen schon lebe ich stumpfsinnig vor mich hin. Der Himmel über Berlin verfärbte sich, vor genau 13 Tagen in ein dunkles Grau, an diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert. Das Grau vom Himmel umgibt alle Berliner, drängt in ihre Herzen und verursacht Sommer Depressionen. Es ist eine schlechte Zeit um gefunden zu werden.. Nur die Hofbäckerei Uhlandstr, wirft ihr warmes Licht in das graue Nichts hinein. Seit drei Wochen arbeitet dort eine hübsche junge Frau mit Lippenbandpiercing. Seit dem muss ich dort an stehen. Vorher bediente dort eine dünne Blonde der Magersucht verfallene Angestellte. Der Umsatz hat sich, seit dem Personalwechsel ganz sicher verzehnfacht. Meistens sind es Männer die sich geduldig anstellen, um von ihr nur für einen kurzen Augenblick bedient zuwerden. Vor mir stehen zwei Typen im Nadelstreifen die sich angestrengt über fallende Börsenkurse unterhalten, beide wirken in ihrer Art wie das öde Wetter. Als sie vor der hübschen Verkäuferin auftauchen, bestellen sie Kaffee mit viel Milch und setzen sich an einen kleinen Tisch und wechseln ihr Thema. Es geht plötzlich nicht mehr um fallende Aktien, sondern um Ihre Kinder und den geplanten Urlaub in Süd Griechenland. Dann stehe ich vor ihr, sie schaut mich fragend an als ich ihre Augen sehe weiß ich gar nicht mehr was ich hier möchte. Ich bestelle vier Stücken Käsekuchen, obwohl ich eigentlich nur trockene Brötchen wollte. Sie nickt und lächelt mich dabei kurz an. Vielleicht hat sie gemerkt das ich etwas Durcheinander bin. Ich sehe Ihr Lippenbandpiercing und mir wird plötzlich sehr warm. Den Käsekuchen legt sie vorsichtig auf einen Pappteller, schlägt ihn mit Packpapier ein und stellt ihn liebevoll in eine weiße Papiertüte mit dem Logo der Bäckerei. Ich nehme die Tüte und verabschiede mich, aber mein Körper rührt sich nicht von der Stelle. Sie sagt“Tschüss bis bald“ und ich beschließe morgen wieder zukommen. Als ich die Tür öffne und auf den Bürgersteig zurückkehre, lächelt endlich die Sonne über Berlin.
Am nächsten Tag wacht noch immer die Sonne und der Himmel ist strahlend blau als waren die letzten Tage nur eine trübe Illusion. Es ist warm und das Bild des Sommers bekommt Konturen. Leider muss ich Arbeiten und kann somit dasWetter nicht ausreichend genießen. Eine schwarze Katze läuft mir vor die Füße beinahe hätte ich sie erwischt. Sie schaut mich entsetzt an, als ob sie mit mir Achterbahn fahren müsste. Ich gehe wieder zum gleichen Bäcker in der Uhlandstraße, weil ich vom Lächeln der Verkäufern geträumte habe. Es war ein schöner Traum. Ich fuhr mit meinem Fahrrad um das EuropaCenter herum, viele Leute winkten mir zu. Vor dem KFC fing es plötzlich an zu regnen ich rutsche, verlor die Balance und stürzte vom Fahrrad. Regen platsche auf mein Gesicht. Ich hörte eine Stimme als ich hoch sah, schaute sie mich an, lächelte und sagte „alles wird gut“, als ob die Wolken den Wörtern lauschten schoben sie sich zur Seite und ein warmer Sonnenstrahl strich über mein Gesicht. Ich stand auf und wollte sie Küssen. Doch sie sagte bis „bis bald“. Dann wachte ich auf.
Als ich wieder anstehe nehme ich mir vor auf Ihr Namensschild zu schauen. Kurz, bevor ich endlich dran bin, kommt eine junge Frau mit dunklen Haaren und Sternchenohrringen hinein gestürzt. Läuft zu ihr und bittet sie eine Pause einzulegen, weil sie ihr etwas wichtiges zusagen habe. Ich protestiere innerlich. Als ich dran bin bedient mich eine ältere Dame, die mir lustlos zwei Schrippen in eine Weiße Papiertüte knallt. Enttäuscht verlasse ich den Bäcker, die Sonne scheint doch dann verdunkelt sich der Himmel und eine mächtige schwarze Wolke macht sich über Berlin breit. Es fängt an zu Donnern wie es noch nie geknallt hat. Sinnflutartiger regen setzt ein und Riesige Blitze lösen sich und hämmern auf Berlin nieder. Ich Irre durch die vielen Straßen überquere eine Ampel und höre wie Autos in einander krachen. Menschen hasten auf der Suche nach Schutz an mir vorbei. Vor der Gedächtniskirche rempelt mich versehentlich ein Mann an. Sein Blick ist leer und erinnert mich an die schwarze Katze, die ich vorhin fast überlaufen hätte.
Unter einer Bushaltestelle komme ich zum stehen, doch hier wird gestoßen und geschubst als würde nur dieser geringe Teil des Universums verschont bleiben. Ich kehre lieber in das Unwetter zurück. Nur schwer kann ich wenige Meter weit sehen, der Regen verstärkt sich weiter. Wassermassen platschen vom Himmel hinunter als würde Herzschmerz ihn zerreissen..
Doch ich sehe ein Licht es ist warm, als ich näher trete erkenne ich die Umrisse einer Haustür doch, das Licht kommt von weiter unten, denn dort sitzt eine Frau auf dem nassen Beton. Sie hat Ihre Knie angezogen und zittert am ganzen Körper. Als ich näher trete erkenne ich die Verkäuferin aus der Bäckerei. Ich möchte ihr helfen und probiere die Haustür zu öffnen doch sie ist verschlossen. Ich setze mich zu ihr, ziehe meine Regen Jacke aus dem Rucksack und lege sie ihr um die Schultern. Wir schauen uns an. Ihre Haare und ihre Sachen sind Wasser durchnässt. Regentropfen fließen über ihr Gesicht und dann erkenne ich wie sich eine Träne aus ihren Augenwinkel löst und über ihre Wange streicht. Sie legt ihren Kopf auf meine Knie und obwohl wir uns gar nichtrichtig kennen streicht meine Hand sanft über Ihr Gesicht. Es fühlt sich sehr schön an. Sie entspannt sich etwas und schließt die Augen. Dann lässt der Regen nach.

Keine Kommentare: